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Persönliches

Warum kommen Menschen eigentlich zu uns? Was verbinden sie mit der Gemeinde? Welche spirituellen Erfahrungen machen sie mit Gott? Was können sie aus Gottesdiensten für ihr persönliches Leben mitnehmen und umsetzen? Was bedeutet ihnen der Glaube?

Wir haben diese Seite eingerichtet, um Dir „O-Töne“ – Originalberichte – einiger unserer Besucher vorzustellen.

Maja Hansen: Schon als Kind, im Alter von 6 Jahren, fühlte ich mich zu Gott hingezogen. Obwohl niemand aus meiner Familie in der Kirche war, hatte ich aus eigenem Antrieb großes Interesse an der Geschichte Jesu Christi, sprach ständig mit dem für mich weißbärtigen, auf einer Wolke sitzenden gütigen Vater und malte Bildergeschichten zu Bibeltexten. Die Verbindung zu Gott blieb auch in meiner Jugend bestehen und ich fand Erfüllung in der Konfirmandenzeit als Jugendgruppenleiterin der evangelischen Gemeinde unseres Dorfes und durch die Gemeinschaft anderer Christen z.B. bei Kirchentagen. Mein Glaube war zu jener Zeit einfach existent, ohne Anzweifelung, fest verankert.
Mit zunehmender Verantwortung als Erwachsene und daraus resultierendem Alltagsstress als Alleinerziehende, voll berufstätige Mutter von 3 Kindern geriet die Beziehung zu Gott jedoch in eine Krise bzw. zum Stillstand, ohne dass ich es bewusst wahrgenommen habe. Alles andere um mich herum war wichtiger und durch den Anspruch allem gerecht zu werden, geriet ich in eine Art Strudel, lebte auf der Überholspur meines eigenes Lebens und funktionierte nur noch. Schließlich brach ich im Jahre 2010 zusammen, Diagnose Burnout und Depression. Es ging absolut gar nichts mehr und in dieser Verzweifelung wandte ich mich an Gott und bat um Hilfe. Tatsächlich dauerte es nicht lange und er nahm Kontakt zu mir auf. Er schickte mir zwei Engel in Form der Zeugen Jehovas, die plötzlich vor meiner Tür standen. Zunächst wimmelte ich sie regelrecht ab, da ich keinerlei Kontakt wollte. Sie gaben mir zwei Zeitschriften und traten den Rückzug an. Als ich dann die Titel der Wachturmbroschüren las, glaubte ich meinen Augen kaum – Burnout und Depression. Ich rief die beiden Frauen zurück und es begannen erste Bibelgespräche. Mein Wissensdurst, mehr über Gott und die Bibel zu erfahren, war entfacht. Diese wieder gewonnene Anbindung gab mir neue Energie und Motivation. Ich begab mich in eine Klinik und besuchte dort in der Umgebung diverse Gottesdienste, wobei ich dann die evangelisch-freikirchliche Gemeinde in der Grindelallee in Hamburg für mich entdeckt habe und endlich das Gefühl gewann, wieder dort angekommen zu sein, wo ich irgendwann, irgendwo den „Faden“ verloren hatte.

 

Erika Stascheit: So recht entsinnen kann ich mich nicht mehr, wann es bei mir anfing, dass ich mich mit der Endlichkeit meines Lebens zu beschäftigen begann. Aber als ich „plötzlich“ 70 wurde, rechnete ich mir aus, dass die maximal letzten 20 Jahre auf Erden begonnen hatten! Zuerst war ich recht erschrocken, doch im Laufe der Jahre war dieses Thema ein roter Faden in meinen Gedanken und meine Gedanken wurden nicht depressiv – im Gegenteil. Ich darf mein von Gott geliehenes Äußeres IHM zurückgeben! Die Hoffnung und letztlich das Wissen, ein von Gott in Jesus Christus angenommener Mensch zu sein, lässt mich mein Lebensende positiv sehen. Die Bitte, „Herr, mach’s mit meinem Ende gut!“, weiß ich erhört.

 

Jürgen Schütte: Sie begegnete mir im Autoradio auf dem Weg zur Arbeit – diese Melodie. Ich hatte sie noch nie zuvor gehört. Doch sie schien mir vertraut. Sanft, ruhig, fließend. Ein Klavier, sonst nichts. Fast minimalistisch. Und doch von einer eindringlichen Kraft. Wie aus einer anderen Welt. Eine Kraft, die mich bis ins Mark zu umarmen vermochte. Dabei hatte sie mir etwas zu sagen. So etwas wie: „Du bist wieder zu Hause.“ Einige Tage zuvor war meine Frau an Krebs gestorben. Ich fühlte mich einigermaßen kraftlos. Einerseits noch gezeichnet von den Beanspruchungen der Wochen und Monate zuvor, andererseits beschäftigt mit all den notwendigen Formalitäten. Auch damit, die Trauerfeier vorzubereiten. Das meiste war bereits geklärt. Nur die Musikfrage nicht. Mir war nicht nach Musik. Und nun diese Melodie, die mich nicht loslassen wollte. Ich steuerte den nächsten Parkplatz an, um mir die Daten aus der Abmoderation zu notieren: „Joy“ hieß der Titel, gespielt von George Winston. Das sagte mir nichts. Aber wieso „Joy“? Gerade jetzt? Ich fing an zu recherchieren. „Joy“ war eine Jazz-Interpretation der Bach-Kantate „Jesus bleibet meine Freude“. Und das war nun wirklich ein „Kracher“! Denn in dem Moment, in dem mich diese Melodie erreichte, war ich ja vollgepumpt mit Traurigkeit. Zweifel, Warum-Fragen und Was-wird-wenn-Überlegungen bestimmten meinen Alltag. Aber je mehr ich nachdachte, desto mehr Sackgassen taten sich vor mir auf. Ich hätte nicht sagen können, dass Jesus meine Freude wäre, ich hätte nicht einmal sagen können, ob ich überhaupt noch Glauben in mir trug. Und nun dieser Zuspruch: Jesus bleibet meine Freude! Alles angestrengte Nachdenken zuvor hatte mich in die Enge geführt. Diese Melodie aber, sie hatte mich geöffnet. Sie war die einzige Sprache, die ich in meiner gedanklichen Eingeschnürtheit verstehen konnte. Die Worte „Jesus bleibet meine Freude“ hätten keine Chance gehabt, mich zu erreichen. Die Melodie „Joy“ schon. Jesus war mir damals – das weiß ich heute – so nahe, dass er genau gewusst hat, über welchen Eingangskanal ich empfänglich war, ohne es selbst zu wissen. Und er hat ihn genutzt, um mich zu erreichen. Diese Melodie war es schließlich, die zum Kern der musikalischen Ausgestaltung der Trauerfeier wurde und die dort für mich einen Teil der Trauerarbeit übernommen hat. Damit wuchs sie über den Moment hinaus und wurde zu einem Schatz, der mich mein weiteres Leben begleiten sollte. Und was hätte ich mir Schöneres wünschen können als eine Begleitung mit einem so grandiosen Programm: Joy?

 

Verena Weiler: Welche Worte können meinen Glauben beschreiben? Erst kam mir das Wort „leise“ in den Sinn, dann aber auch „Wind“. Ich fühlte mich wohl mit diesen Worten, zumal sie mich zu einem Bibeltext führten, der mich schon einmal sehr angesprochen hat. Sehr gerne mag ich die Geschichten aus dem Ersten Testament, welches auch Altes Testament genannt wird, die beschreiben, wie Gott und Menschen einander begegnen in einer ganz anderen Zeit. Ich glaube, dass diese Geschichten uns in der heutigen Zeit viel zu sagen haben. So auch die Geschichte des Propheten Elia, die im 1. Buch der Könige berichtet wird.. Elia hat eine wichtige Aufgabe bekommen, der er sich mit großem Einsatz annimmt. Er gibt alles für seinen Job, opfert sich auf, doch es wird ihm nicht gedankt, er bekommt noch Ärger oben drauf. Genau das habe ich in meinem Beruf als Krankenschwester auch erlebt. Ich habe mich für meine Aufgabe eingesetzt, sie ernst genommen und verantwortungsvoll erfüllt. Doch die Kolleginnen haben mich gemobbt, Lösungen gab es nicht und schließlich waren auch meine Vorgesetzten gegen mich. Genau wie Elia war auch ich in meiner Seele tief verwundet und habe mich verkrochen. Elia flüchtete in die Wüste und verkroch sich unter einem Wacholderstrauch. Mein Wacholder war meine Decke auf dem Sofa. Und meine Nahrung war die Musik von Bach, immer und immer wieder. Das war meine Stärkung, von Gott gegeben, so wie Elia von einem Engel mit Wasser und Brot versorgt wurde, um weiter zu gehen im Leben.
Kraft für den Alltag zu haben bedeutet für mich, die Hoffnung nicht aufzugeben, den Glauben nicht aufzugeben, mit allen Fragen auf Gott zuzugehen. Elia hat das getan, indem er zum Berg Horeb wanderte. Dort begegnete er Gott, doch er musste herausfinden, auf welche Art und Weise er Gott nicht nur hört, sondern auch verstehen kann. Auch ich habe meinen Weg gesucht, Gott zu hören und zu verstehen. Grundlage ist für mich die Bereitschaft, mich ansprechen zu lassen und hören zu wollen. Wenn mir das gelingt, sind das besondere Zeiten; und Gott spricht zu mir auf unterschiedliche Weisen. Das ist eher selten mal ganz direkt, oft durch Gedanken, die mir kommen, und auch beim Lesen der Bibel, wenn sich mir Zusammenhänge erschließen, ich zwischen den Zeilen lesen kann oder Gott in meine Gedanken spricht. Wichtig ist mir in diesen Zeiten ein äußerer Rahmen der Stille. Für mich bedeutet Stille, den Alltag auszublenden, mich von allen alltäglichen Gedanken frei zu machen. Stille bedeutet, dann keine Musik zu hören. Stille bedeutet Absichtslosigkeit, nichts erreichen zu wollen, sondern einfach geschehen lassen. Auch Elia konnte Gott nicht im Sturm und Donner verstehen, sondern im leisen Wind. Und darin verstehe ich ihn sehr gut. Ich habe auch schon mal heftig mit Gott diskutiert, doch je länger ich mein Leben lebe, entdecke ich umso mehr die Kraft der Ruhe und Stille. Ich bin froh darüber, dass Gott ein Gott der Nähe ist. Nähe, die mir Kraft und Halt gibt. Kraft, die mir durch den Alltag hilft, mich jedoch auch aus dem Alltag herausholt. In beidem ist Gott mir nahe und das gibt meinem Leben einen Sinn.

 

Günther Knickrehm: Als Säugling kam ich durch meine Taufe ungewollt zu einer Mitgliedschaft in einer Kirchengemeinde der Evangelisch lutherischen Landeskirche in Hamburg-Bergedorf. Durch meinen Kinderglauben gestärkt, trat ich später bewusst gewollt der Jungschar der evangelischen Jugend meiner Heimatgemeinde bei, um mich persönlich in der Ausübung meines Glaubens und meiner Einstellung einzubringen. An die schönen Erlebnisse der gemeinsamen freien Zeit, die ich zusammen mit anderen Kindern in der Gruppe hatte, denke ich noch gerne zurück. Ich fühlte mich sehr wohl, angenommen, zugehörig und geborgen in meiner damaligen Gemeinde. Durch den Konfirmandenunterricht kam ich dann schon wesentlich konkreter und praxisorientierter mit Gottes Wort „Jesu Leben und Sterben, Religion und Glauben“ (Glaubensbekenntnis aus der Lutherbibel) in Berührung. Die Einsichten und Ansichten der Unterrichtsjahre mit unserem Jugendpastor waren für meine spätere Entwicklung sehr positiv und haben mich geprägt. Ich hatte ein solides Glaubensfundament unter meinen Füßen und ich war überzeugt, in meinem Glauben gefestigt zu sein – und die Existenz und das Wirken Gottes und seines Sohnes Jesus hatte für mich sowieso nie in Frage gestanden.
Nach meiner Konfirmation und Berufsausbildung hatte ich keine Probleme mit meinem Gottvertrauen, aber kritische Fragen an meine Landeskirche und darum nahm ich Abstand. Meine Wertevorstellungen über Glauben, Kirche, Gemeindeleben und Moral waren mit der damaligen Außendarstellung meiner Kirche und ihres Bodenpersonals nicht mehr vereinbar. Ich setzte andere Prioritäten in meinem Leben und erlaubte mir mehrere Jahrzehnte Auszeit vom kirchlichen Leben. Ich war nur noch zahlendes, aber passives Mitglied der Evangelischen Landeskirche. Meine praktische Glaubensausübung hatte ich nicht versenkt, sondern sozusagen auf Eis gelegt. Von meinen Eltern, Freunden und anderen Menschen, die mich all die Jahre begleiteten, wurde ich nicht gezwungen oder bedrängt, den Weg zu Gott und seiner Kirche wieder aufzunehmen. Mein Schlüsselerlebnis war ein Trauerfall in meinem engsten persönlichen Umkreis. Durch die für mich notwendige Trauerarbeit mit Trauerbegleitern (psychologisch und geistlich) konnte ich meinen sehr schmerzlichen Verlust in Etappen meistern. Die notwendigen intensiven Gespräche wirkten sich auf mich sehr positiv aus und bewirkten, dass ich mich wieder der Kirche zugewandt habe. Der Weg zu Gott kostet mich bis heute Mühe und Kraft, aber durch meinen Glauben erfahre ich auch Zuspruch und Halt, sodass alle Tiefs wie Glaubenskrisen, Krankheiten und Schicksalsschläge, die ich nicht verhindern und ändern kann, in solidarischer Gemeinschaft mit Gebet und Zuspruch angenommen werden können. Das Gemeinschaftsgefühl der Gemeinde stärkt mich für meinen Alltag und gibt mir großen Trost für meine Seele. Gott gibt mir auch die Gelassen- und Ausgeglichenheit, meine Persönlichkeit mit meinen Stärken und Schwächen bzw. Lebensbrüchen so anzunehmen, wie ich wirklich bin und nicht wie ich sein sollte. Meine körperliche Existenz auf „Gottes Erde“ ist zeitlich begrenzt. Ich habe für mich entschieden, dass ich für meine geschenkte Zeit hier auf unserem Planeten die Religion (Bibel), Glaubens- und Kirchenzugehörigkeit brauche, um meinem Leben einen Sinn zu geben, es auszufüllen und zu bereichern. Mein Glaube gibt mir immer wieder neue Kraft, Mut und Weisheit, um Dinge zu ändern, die ich beeinflussen kann. Mein Speicher muss aber ständig aufgeladen werden und das praktische Gemeindeleben, in dessen Mittelpunkt der Gottesdienst steht, ist der Energieträger bzw. die Tankstelle dafür.

 

Übrigens: Einige dieser Berichte sind als Buch unter dem Titel „Gott, mein Glaube und ich“ veröffentlicht. Du kannst dieses Buch hier bestellen: www.wdl-verlag.de